Die Geschichte der Orks

Vor drei Jahrtausenden herrschten die Gargylen, eine unsterbliche und sehr mächtige Rasse kalter geflügelter Alpträume über die Länder Muygorehs. Nachdem die einstigen Sklaven der Gargylen, die Drakaner, vor ihren Herren geflohen waren, brauchten die Gargylen neue Diener, die für sie arbeiteten und in den Krieg ziehen konnten.

Die mächtigsten Magier und Alchemisten der Gargylen machten Jagd auf die verschiedensten Lebewesen, darunter Menschen des Steppenvolks und Ogern. Aus diesen beiden gelang es den Gargylen schließlich, eine neue Rasse zu erschaffen. Sie nannten sie Orgu Heri, was in der Gargylensprache „Schwarze Krieger“ bedeutet. Den Namen erhielten sie aufgrund ihrer fast pechschwarzen Haut.

Die Orgu Heri waren das Meisterstück der Gargylen. Ein Wesen, das die Intelligenz des Menschen mit annähernd der Kraft eines Ogers verband. Es waren gewaltige Kreaturen, die bis zu zweieinhalb Metern groß werden konnten.

Ein Jahrtausend lang dienten die Schwarzen Krieger ihren Herren in gnadenlosen Kämpfen gegen deren Zahlreichen Feinde in allen Himmelsrichtungen. Es waren die Orks, wie sich die  Orgu Heri selbst nannten, die das alte Barbarenreich fast vollständig verwüsteten und den Gargylen zu zum Höhepunkt ihrer Macht verhalfen.

Das alles änderte sich jedoch, als eine fremde Rasse von weit her mit einer riesigen Streitmacht aufmarschierten, um die Gargylen herauszufordern. Es waren die Elfen aus Hagiland, die dem Befehl ihres Herren, dem weisen Drachen Warion, folgend, in die Länder Muygorehs einfielen.

Als der Angriff begann, belagerte der Kriegsherr Urok Ragn mit seiner Armee Hargarad, die Hauptstadt des einst mächtigen Barbarenreichs am Fuße des Berges Arauk. Die Barbaren bereiteten sich auf ihre letzte, große Schlacht vor, bereit, mutig und ehrenhaft ihrem Tod zu begegnen. Doch dann zogen die Orks plötzlich ab.

Am Vorabend der Schlacht war ein Fremder im Lager der Orks aufgetaucht. Eine finstere Gestalt, die den Orks prophezeite, dass ihr Untergang nahe sei. Urok Ragn forderte den Mann zum Zweikampf heraus, denn jemandem eine Niederlage vorauszusagen gilt bei den Orks als schlimme Beleidigung. Der Fremde willigte ein. Unter großem Johlen der Orkkrieger gab Urok Ragn dem Fremden ein Schwert. Der Feldherr der Orks wähnte den Sieg über diesen Menschen so gut wie sicher. Er war mehr als überrascht, mit welcher Leichtigkeit und Geschwindigkeit sein Gegner seine Angriffe parierte und gnadenlos zurückschlug. Am schlimmsten war jedoch, dass der Mann dem Ork immer nur mit der flachen Seite seines Schwertes traf, während er selbst nicht mal einen Kratzer abbekam.. Schließlich schlug der Fremde Urok Ragn seinen Schwertgriff gegen die Schläfe und fegte ihn in einer schnellen Drehung von den Beinen.

Urok Ragn lag besiegt am Boden. Die Orks, die zuvor noch angesichts des Kampfes lärmten und brüllten, waren plötzlich alle verstummt. Urok Ragn schaute zu dem Fremden auf. Er wusste, dass kein normaler Mensch ihn mit solcher Leichtigkeit hätte besiegen können. Also forderte er den Mann auf, sich zu offenbaren.

Als der Fremde sprach, begann die Luft zu vibrieren. Seine Stimme hallte in den Seelen der Orks wieder und erfüllte die ansonsten furchtlosen Krieger mit tiefer Ehrfurcht. Die Orks knieten sich vor ihrem neuen Herrn nieder, dem dunklen Gott. Dem Herrn der Finsternis.

Er befahl den Orks, die Belagerung abzubrechen und nach Süden zu ziehen, bis sie das Land Uschkat erreicht hätten. Dort, so prophezeite er, würde sich das Schicksal der Orks erfüllen. Darauf hin verschwand der Gott und wo er zuvor noch gestanden hatte, blieb ein kalter Schatten, der langsam verschwand.

Die Orks brachen ihr Lager ab und zogen los. Wochenlang schlugen sie sich durch die südliche Steppe von Mygorehs bis sie das Fartaukgebirge erreichten.

Nachdem die Orks den beschwerlichen Weg durch das Gebirge beschritten und dessen Gefahren durch Trolle, Oger und tiefe Schluchten gemeistert hatten, offenbarte sich ihnen das Land Uschkat, ein dicht bewaldetes grünes und fruchtbares Land. Doch es war kein Paradies.

Die Dämonen der Hölle hielten Uschkat in ihrem Würgegriff und verdarben alles Leben. Die Orks wurden immer wieder von den Dämonen angegriffen, während sie versuchten, eine sichere Zuflucht zu erreichen. Schließlich ereichten sie einen großen Wald, der Wayschar Fòr genannt wurde. Dort verschanzte sich das Feenvolk der Uschgawden, um dem Verderben der Dämonenbrut zu entgehen. Die Feen waren sehr misstrauisch, was die Motive der Orks anbetraf. Sie verlangten von den Orks einen Beweis, dass sie nicht hier waren, um den Feen ein Leid zuzufügen. Der Feenkönig Foylah verlangte von Urok Ragn, diesen Beweis persönlich zu erbringen, indem er den Saft der Selschumabeere trank. Die Visionen, die er davon bekommen würde, sollten über das Schicksal der Orks entscheiden.

Urok Ragn willigte ein. Die Visionen wren voll von Finsternis, Krieg, Hass und Gewalt. Foylah, der diese Visionen mit ansah, erschrak über so viel Schrecken und Verderbnis im Geiste des Orks und wollte bereits den Befehl geben, die Eindringlinge zu verjagen. Doch dann änderte sich die Vision überraschend. Bevor die Orks unwiderruflich der Finsternis anheimfallen sollten, würden sie die Dämonen aus Uschkat vertreiben können.

Der Feenkönig hätte die Orks warnen können, wohin ihr Schicksal sie führen würde. Er hätte sie weiter nach Osten und Süden schicken können, wo sie der Verdammnis hätten entgehen können. Doch Foylah beließ die Orks auf ihren dunklen Pfad, damit sie sein Volk befreien würden.

Als Urok Ragn aus der Vision erwachte, schlossen er und Foylah einen Pakt. Die Orks würden den Feen gegen die Dämonen helfen. Dafür wurde den Orks vorerst im Wayschar Fòr Zuflucht gewährt. Danach würden sie zurück nach Norden ziehen, um die verbliebenen Orks zu retten.

Mit von den Feen geschmiedeten magischen Waffen und Rüstungen ausgerüstet, führte Urok Ragn seine Orks gegen die Legionen der Hölle. Während diese sich vor allem auf ihre relative Unsterblichkeit und ihre Magie verließen, waren die Orks in der Kriegskunst ausgebildete Veteranen. Die magischen Angriffe der Dämonen konnten die Rüstungen der Orks nicht durchdringen. Dafür konnten die Orks mit ihren Waffen den Dämonen schreckliche Verletzungen zufügen. In einer gewaltigen Schlacht verbannten die Orks Hieb um Hieb die Dämonen zurück in die Hölle und befreiten Uschkat von seinem Joch.

Zum Dank für ihre Hilfe gab der Feenkönig Urok Ragn einige Selschumabeeren mit, damit deren Visionen die Orks weiter auf ihrem Wege leiten könnten. Urok Ragn führte darauf hin wie versprochen seine Armee zurück nach Norden.
Dort hatten die Elfen die Länder Mygorehs fast vollständig erobert und standen kurz davor, Hyagin, die Heimatinsel der Gargylen, zu erobern. Doch die Gargylen waren eine uralte und verschlagene Rasse. Als die Elfen in die Stadt der Gargylen einfielen und ihnen der Sieg schon sicher schien, beschworen die Gargylen ihre Herrin, die Dämonenkönigin Niheguli, herauf. Der Dämon stimmte einen zugleich verführerischen und schrecklichen Gesang an, der alle Elfen, die zu nahe waren, sofort in den Wahnsinn trieb. Selbst die Elfen, die nicht so nahe waren, wurden in Mitleidenschaft gezogen. Die meisten konnten fliehen, doch ein dunkler Schatten hatte viele der Elfen befallen, der noch unsägliches Leid über sie bringen sollte.

Nachdem die Elfen vertrieben waren,  begannen die Gargylen, ihr Reich zurückzufordern und die Orks für ihren Verrat zu bestrafen.

Immer wieder überfielen die Gargylen die Orks. Allein die Schwächung und die Verluste durch den Krieg mit den Elfen verhinderte es, dass die Gargylen einen großangelegten, vernichtenden Feldzug gegen ihre einstigen Sklaven führen konnten. Dennoch verloren viele Orks ihre Leben, bevor sie endlich nahe der Grenze zum Reich der Finsternis den Ort erreichten, den Urok Ragn in seiner Vision gesehen hatte. Vor ihnen, am Südufer des Mraka, lag die alte Gargylenfestung Gardarag, die von den Orks Kartark genannt wurde. Um die Festung herum errichteten die Orks eine große Siedlung aus Zelten und Hütten, doch bald kamen Häuser und weitere befestigte Anlagen hinzu., bis eine große Stadt entstanden war. Die Orks erbauten große Kultplätze, an denen sie ihrem dunklen Gott, der sie hier her geführt hatte,  huldigten.

Seit dieser Zeit haben die Orks sich immer weiter in der Steppe von Muygoreh ausgebreitet. Siedlungen, Dörfer und Städte wurden in östliche Richtung entlang des Mraka erbaut. Urok Ragn nannte sich fortan Urschork, den König der Orks, und herrschte noch fast sechzig Jahre. Ihm folgten seine Söhne und deren Söhne als König bis auf den heutigen Tag nach. Der Heerführer selbst wird von den Orks als Ahnvater verehrt und seine Gebeine in einem nach ihm benannten Schrein aufbewahrt. Die Orks huldigten dem Herrn der Finsternis, indem sie in seinem Namen in zahllosen Kriege zogen. Urok Ragns Vision hatte sich erfüllt und die Orks waren schließlich unwiderruflich der Finsternis anheim gefallen.




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