Die Schöpfung
Am Anfang war die Welt ein unsteter Ort tosender Stürme, reißender Meere, brüllenden Feuers und zerrissenen Felsen, die in dieser Entropie auftauchten und wieder verschwanden. Lediglich im Norden gab es ein Land, fest genug, um darauf zu gehen und beständig genug, um darauf zu bauen. Hier betraten die Rungodhen die Welt, eintausend allmächtige Wesen, denen es gelang aus dem Seelenstrom auszubrechen.
Um dem Sog des Stroms zu entkommen, labten sich die Rungodhen an der Essenz der Seelen. Diese Seelen, von der göttlichen Essenz berührt, flossen durch die Götter hinab in den Hain der Seelen. Dort erschufen sie eine Seelenblase, einent Anker, der es den Rungodhen erlaubte, in der materiellen Welt zu verbleiben.
Die Götter waren mächtig und sie begriffen, dass ihre Existenz einen vorbestimmten Zweck haben mussten. So hielten die Götter ihren ersten Rat und an dessen Ende riefen sie die Kräfte an, die dem Universum seinen Bestand gaben.
Die Urgewalten erhörten die Götter und Gleichgewicht trat vor. Er erklärte, dass die Balance zwischen den Kräften von Sein und Nichtsein gewahrt werden müssen und die Schöpfung niemals durch die Götter zerstört werden dürfe. Dies war das Gesetzt, dass die Götter nicht brechen durften.
Die Elemente offenbarten sich den Rungodhen und zeigten den Göttern ihre Macht.
Erde erklärte sein Wesen, dass er alle Substanz sei und schenkte jedem Gott einen Klumpen Erde.
Wasser zeigte den Göttern, dass sie alle Substanz durchdringen konnte und gab jedem Gott eine Hand voll Wasser.
Luft umhüllte die Götter und wehte und blies und die Götter erkannten die unbändige Kraft der Urgewalt. Luft verlieh den Göttern ihre Macht.
Feuer zeigte den Göttern seine Macht, indem er die Erdklumpen schmolz, Wasser verdampfte und die Luft zum brennen brachte. Die Götter erkannten Feuers zerstörerische Natur und Feuer verlieh den Göttern seine Macht.
Die Rungodhen verneigten sichvor den Urgewalten der Elemente und bedankten sich für deren Gaben.
Gleichgewicht sprach nun und erklärte den Göttern, dass dies die Schöpfung sei und die Rungodhen sie formen und gestalten sollten.
So begannen die Götter der Welt ihre Gestalt zu geben. Sie erhoben die Erde aus dem Wasser und dem Feuer. Das Festland ließen sie von Meeren und Ozeanen umspülen und durchzogen es mit Flüssen und Bächen. Die gewaltige Macht des Feuers bekam seinen Platz unter der Erde, damit die Schöpfung erhalten blieb und die ungestüme Macht von Luft erhielt ihren Platz über der Erde.
Als alle Elemte ihren Platz hatten und die Welt endlich zur Ruhe gekommen war, bedankten sich die Urgewalten der Elemente bei den Göttern für ihre Arbeit.
Dies war der erste Schöpfungsakt.
Die Rungodhen waren stolz und erbauten im hohen Norden, wo sie einst die Welt betraten, die Stadt Runangart, die auch als die Stadt der eintausend Paläste bekannt wurde, denn jeder der Götter residierte in seinem eigenen Schloss. Die Stadt bestand aus silbernem Licht, klingenden Eiskristallen, glühenden Feuersäulen und aufwändig verzierten Steinen. Sie war von einer solchen Schönheit, wie sie heute nur noch in Sagen und Legegenden bekannt ist. Runangart war den Göttern ein würdiges Heim und als die Stadt fertig war, empfingen sie in der großen Halle, die in der Stadtmitte stand, die Urgewalten der Existenz.
Chaos zeigte den Göttern, was die Seelen sind und wie er sie erschuf! Die Götter bewunderten seine Fertigkeit.
Leben sprach über das Schicksal und wie die Seelen miteinander harmonieren. Die Rungodhen verstanden und erkannten ihre Macht.
Tod bewies den Göttern, dass jede Harmonie zerstört werden kann, dass das Glück endlich ist, Freude zu Trauer, Liebe zu Hass werden kann. Die Götter sahen, dass die Macht des Todes immens war und dass sie wohl überlegt und weise eingesetzt werden musste.
Schließlich zeigte auch Äther, welcher Art sein Reich war. Die Stille und die Unendlichkeit seines Wesens löste bei den Göttern ehrfurcht aus.
Die Götter erhielten die Macht von Leben und die Macht von Tod und das Verständnis über Chaos und Äther.
Angetrieben durch ihr Wissen über das Leben begannen die Rungodhen nun, aus der Erde Pflanzen in allen Farben und Formen zu erschaffen doch sie verwelkten schon in dem Moment, indem sie erschaffen worden waren. Sie baten Tod, ihre Schöpfungen zu verschonen, aber es war die Art des Todes, alles Lebendige zu nehmen. Die Götte hielten Rat und sie kamen zu dem Schluss, dass man das Wesen von Tod weder verändern dürfe noch könne, denn dies verstieße gegen das Gesetz, welches die Götter nicht brechen durften. Den Tod des Lebens konnten die Götter nicht aufhalten, aber sie konnten ihn verlangsamen, indem sie den Fluss der Zeit selbst verlangsamten und in eine einzige Richtung zwangen. Eintausend Rungodhen hatten gemeinsam die Macht, dies zu bewerkstelligen und so wurden aus Augenblicken Tage, aus den Tagen Wochen, aus den Wochen Monate und aus den Monaten schließlich Jahre.
Der Effekt war wie erhofft. Nach wie vor wurden die Schöpfungen der Rungodhen vom Tod geraubt, doch war der Prozess so langsam, dass das Leben die Möglichkeit hatte, sich zu entfalten. Doch die Götter gingen noch einen Schritt weiter. Sie fingen an, die Blumen, Sträucher, Gräser und Bäume mit den verschiedensten Seelen zu befüllen und so begann die Welt ein neues, lebendiges Zeitalter.
Dies war der zweite Schöpfungsakt.