Die Orks

Die Orkgesellschaft

Die zivilisierten Völker halten die Orks aufgrund deren archaischen und kriegerischen Kultur oft für ungebildete Bestien, die kaum über Tieren stehen. All diese Völker haben die Intelligenz der Orks mindestens einmal unterschätzt und dafür einen blutigen Preis bezahlen müssen. Die Orkgesellschaft basiert auf komplexen Regeln und Verhaltensweisen, die jedoch alle eines zu Grunde gelegt haben: die Orks verachten Schwäche und verehren Stärke. Dies ist so tief im Leben der Orks verankert, dass sogar deren Rechtssystem darauf beruht. Besitz und Rang werden durch den Erfolg im Kampf und bei der Jagd erworben. Wenn ein Ork den Besitz oder den Rang eines anderen Ork begehrt, fordert dieser den anderen zum Zweikampf auf. Je nach Art und Wert dessen, was ein Ork von einem anderen Ork erobern will, wird der Kampf entweder mit bloßen Fäusten oder Waffen geführt. Bis zum Tod werden jedoch nur die gewichtigsten Kämpfe ausgetragen. Der Sieger erwirbt bzw. behält, worum gekämpft wurde. Auf diese Weise bleibt immer der Stärkste und Beste gleichzeitig auch der Mächtigste.

Die Orks trennen im Vergleich zu den anderen Völkern die Rollen von Männern und Frauen sehr deutlich voneinander. Männer sind Krieger, Jäger und Arbeiter. Sie haben die weltliche Macht. Frauen hingegen sind für die Erziehung der Kinder und der jungen Frauen verantwortlich. Sie sind gleichwohl Lehrerinnen, Heiler und Schamaninnen. Es obliegt den Frauen, die Rituale und Zeremonien vorzubereiten und abzuhalten. Während der höchste Rang eines Ork der Rang des Urschorks (König) ist, ist es bei den Frauen der der Meisterschamanin. Nur eine Orkfrau trägt gleichzeitig diesen höchsten Rang und sie ist diejenige, die das allumfassenste Wissen über die Geheimnisse und Mysterien des Orkkults besitzt. Üblicherweise ist die Meisterschamanin gleichzeitig die Gefährtin des Orkkönigs und gleichzeitig dessen Beraterin.

Jeder erwachsene männliche Ork kann Anspruch auf eine Orkfrau erheben. Wird dieser Anspruch von einem anderen Mann angefochten, müssen alle, die diese Frau ebenfalls als Gefährtin beanspruchen, gegeneinander Kämpfen. Wie auch beim Rang und beim Besitz gilt der Anspruch des Mannes als rechtens, der den Sieg davon trägt.

Es entsteht leicht der Eindruck, dass Frauen in der Orkgesellschaft mehr Objekte denn freie Individuen sind. Doch auch die Frauen akzeptieren nur den stärksten Gefährten. Ob ein Ork überhaupt einen Anspruch erheben will, hängt letztlich auch von seinem Rang und seiner Stellung im Vergleich zu Rang und Stellung der Frau. Mächtige Schamaninnen sind heiß umkämpft von den besten Heerführern der Orks. Die niederrangigen Krieger begnügen sich meistens mit Heilerinnen, die niederrangigsten mit Kräuterfrauen. Orkfrauen, die einen hohen Rang erlangt haben, würden sich auch gar nicht erst mit einem einfachen Jäger oder Handwerker zufrieden stellen. Wann immer eine Frau unzufrieden ist mit ihrem Gefährten, wird sie versuchen, einen ihrer Meinung nach angemesseneren Partner zu finden und diesen dazu zu bringen, um sie zu kämpfen. Auch die Tatsache, dass nur Orkfrauen Magie wirken und mit den finsteren Mächten in Kontakt treten, zeigt deutlich, welchen Stellenwert sie wirklich in der Gesellschaft haben.
Dass die Orks um Dinge, die sie begehren, kämpfen, lässt sie primitiv wirken, doch nicht jeder Ork erhebt sofort Ansprüche. Orks wissen oftmals sehr gut, wann sie eine Herausforderung aussprechen können und wann es besser ist, es nicht zu tun. Denn versagen ist schlimmer, als von vorne herein gar nicht erst den Kampf angetreten zu haben. Das schlimmste, was man zu einem Ork sagen kann ist, dass er verlieren wird. So eine Beleidigung ließe dem Ork nur zwei Möglichkeiten. Kämpfen oder schwäche zeigen. Letztes ist für einen Ork unmöglich, also wird er kämpfen. Solche Beleidigungen werden deshalb nur äußerst selten ausgesprochen, denn ihre Konsequenzen sind meist verheerend.

Alle Orks empfangen auf dem Weg zum Erwachsenwerden drei Sakramente. Unabhängig vom Geschlecht ist die Weihe, die jeder neugeborene Ork erhält. Direkt nach der Geburt des Kindes erlegt der Vater oder der nächste männliche Verwandte  ein Bwark (großes, wildschweinähnliches Tier). Ein geweihter Dolch, der Kareag, wird dem Bwark ins noch schlagende Herz gestoßen und die blutige Klinge der Mutter oder der nächsten weiblichen Verwandten gegeben. Das Bwarkblut wird dann über das Neugeborene gestrichen.
An seinem vierzehnten Geburtstag erhält der Orkjunge das zweite Sakrament. Dazu muss er alleine ein Bwark töten. Darauf wurde er lange vorbereitet und wenn es dem Jungen gelingt, wird er in den Kreis der Männer aufgenommen. Der Junge erhält nun seinen eigenen Kareag-Dolch, mit dem die erste Zeichnung in seine rechte Wange geschnitten wird. Von nun an ist er berechtigt, auf eine Gefährtin Anspruch zu erheben, mit den Männern auf die Jagd zu gehen und in den Krieg zu ziehen. Gelingt es dem Jungen jedoch nicht, das Bwark zu töten, ist dies sein Todesurteil. In den Augen der Orks dürfen die Schwachen nicht überleben und der Kampfplatz darf nur verlassen werden, wenn entweder das Tier oder der Ork tot ist.
Die Mädchen erhalten mit vierzehn Jahren das zweite Sakrament. In der Prüfung muss das Orkmädchen all sein Wissen über Pflanzen, Kräuter, Gifte, Rituale und Magie anwenden. Zu Beginn der  Prüfung wird das Mädchen mit dem Gift der Murgu-Spinne vergiftet. Nun verbleibt dem Orkmädchen noch eine Zeit von ungefähr vier Tagen, das Gegengift herzustellen. Je länger es dafür braucht, umso schwerer wird dies, denn das Gift benebelt nach und nach die Sinne und beeinträchtigt immer mehr die Bewegung, bevor das Herz am Ende stehen bleibt. Gelingt es dem Mädchen, das Gegengift herzustellen und einzunehmen, verursacht dieses Mittel einen tranceähnlichen Zustand, indem es mit der Geisterwelt in Kontakt treten kann. Das Mädchen ist nun eine Frau, darf als Gefährtin beansprucht werden und erhält als Beweis ihrer Initiation in die Geheimnisse der Geisterwelt das Zeichen der Einweihung in ihre Stirn geschnitten.



3 Responses to Die Orks

  1. Martin Jankowiak says:

    Was du hier darbietest verspricht der Auftakt zu einem überaus interessanten und erfrischenden Fantasywerk zu werden.
    Schon allein die Hintergrundgeschichte der Orks strotzt förmlich vor frischen Ideen. Und da der Titel “Geschichte der Orks” assoziiert, dass da noch mehr Völker kommen werden, scheint die Geschichte überaus “groß” und vielschichtig zu werden, ohne dabei auf ausgelatschten Pfaden zu wandeln.
    Ich bin gespannt, was da noch kommen wird!

  2. Der Gefaellt mir Button wuerde sich gut im Blog machen, oder habe ich ihn uebersehen?

    • Lord Syn says:

      Wenn du den für Facebook meinst. Stimmt. Wäre vielleicht mal eine Idee. Mal sehen, ob und wie sich das bewerkstelligen lässt!


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